Pflanzen des Karbons

Die Erde ist vor ca. 5000 Millionen Jahren entstanden. Der Zeitraum von 330 bis 275 Millionen Jahren vor unserer Zeit wird als Karbon bezeichnet. Dieser Zeitraum ist eine wichtige Epoche der Erdgeschichte. In Europa begünstigte damals ein besonders feuchtwarmes Klima die Bildung ausgedehnter sumpfiger Wälder, die mit ihrem Artenreichtum große Teile der Landmasse bedeckten. Grund war die Tatsache, dass unser Kontinent damals in Äquatornähe lag. Über diese reichhaltige Vegetation wissen wir vor allem durch Funde aus den Steinkohlenbergbau gut Bescheid.

Karbonwald

typischer Sumpfwald des Karbons

Die damaligen Pflanzen gehörten zur Gruppe der Farne im weitesten Sinne. Während die heutigen Farne nur noch als kleine krautige Formen wachsen, waren es im Karbon hohe Bäume. Grob unterscheidet man drei Gruppen.

1. Bärlappe: Hierzu gehören die Schuppenbäume, die eine Höhe bis zu 30 m erreichten. Im unteren Teil waren der Stamm unverzweigt, die mehrfach verzweigte Krone trägt kleine, einfache Blätter. Sie konnten nur wenig Wasser speichern, weshalb die Nähe zu Wasserflächen wichtig war. Im Unterschied zu heutigen Bäumen diente das Holz nicht als Stütze, sondern zur Wasserführung, die Rinde übernahm die Stützfunktion, und stabilisierten die Pflanze. Die Wurzeln waren verzweigte Sprosse die auf tellerförmigen Stützen ruhten, und so der Pflanze die notwendige Stabilität gaben.
 


Schuppenbaum

ein Schuppenbaum

2. Schachtelhalme: Im Gegensatz zu den Bärlappen besaßen die Schachtelhalme bereits ein gut funktionierendes Wasserleitsystem in Form eines dicken Holzmantels. Dieser übernimmt auch die innere Festigung der bis zu 20 m hohen Bäume.

Schachtelhalm

ein Schachtelhalmbaum

3. Farne: Die Farne im eigentlichen Sinne zeigen im Karbon eine reiche Entfaltung. Es sind meist Baumfarne mit Höhen bis zu 10 m, wie es auch heute noch in den Tropen gibt. Das Wasserleitsystem ist schwach entwickelt. Sie sind daher wie die heutigen Formen auf Standorte mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit angewiesen.

ein Farnblatt

Diese Wälder mit ihren riesigen Bäumen produzierten große Mengen pflanzlicher Substanz. Die Bäume stürzten leicht zusammen, blieben liegen oder versanken im Schlamm. Im Laufe von Millionen Jahren versanken ganze Wälder im Sumpf und verwandelten sich unter Luftabschluss zunächst zu Torf, dann zu Braunkohle und schließlich - unter der Last von 1000 m Deckgebirge - zu Steinkohle. Dieser Vorgang der "Kohlewerdung" wird als Inkohlung bezeichnet.

Eine beunruhigende Tierwelt bevölkerte den Steinkohlewald im Karbon. Riesige Spinnen, Tausendfüßler mit bis zu 50 cm Länge und unzählige verschiedene Insektenarten gehörten dazu. Der Boden wimmelte von Schaben und anderen Gliedertieren. Aus den Wasserlachen der Sümpfe krochen gerade die ersten Landwirbeltiere, noch fischartig und auf das Wasser angewiesen. Ein typischer Vertreter waren die Panzerlurche, die bis zu 3 m groß werden konnten. Auch die Insekten konnten riesige Formen bilden, es sind Libellen mit 70 cm Flügelspannweite überliefert.

W. Steffen

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