Lebacher Eier

Eine besonders wichtige Grundlage der saarländischen Eisenindustrie waren die weithin berühmten sog. Sphärosiderite: sphärisch, also kugelförmig gebildete Erzknollen, die im Volksmund als "Lebacher Eier" oder "Lebacher Knollen" bezeichnet wurden. Es handelt sich um brotlaib- oder diskusförmige Gebilde mit Durchmessern bis zu 30 cm und Dicken von ca. 5 cm, die in den Tonen der mittleren Lebacher Schichten, einer grauen Schiefergruppe des sog. Rotliegenden, eingebettet sind.

Lebacher Ei

Lebacher Ei (Sammlung Egon Groß, Lebach)

Geologisch gehören die Lebacher Eier in das Erdaltertum und zwar in die Zeit des Perm, dessen Beginn etwa 240 Millionen Jahre zurückliegt. Die Knollen bestehen aus Eisenspat, der meistens durch rotbraunen Ton stark verunreinigt ist. Oft finden sich im Innern aber auch gut gewachsene, durchsichtige Spatkristalle. Die Bildung der "Lebacher Eier" ist auf die chemische Reaktion faulender organischer Stoffe mit Eisenhumat- oder Eisenbicarbonatlösungen zurückzuführen. Wahrscheinlich entstanden sie während der Verlandungsphase des Rümmelbach-Sees, der sich vor ca. 280 Millionen Jahren von Lebach bis Bad Kreuznach erstreckte. Mit 3400 Quadratkilometern war dieser See mehr als dreimal so groß wie der Bodensee.

In Meeresbuchten, Flußmündungen oder eben dem Rümmelbach-See sanken verendete niedere Tiere oder Fruchtknollen von Schachtelhalmen und anderen Pflanzen zu Boden und begannen unter Luftabschluss zu faulen. Die freiwerdenden Schwefelwasserstoffe zogen Eisensalze an, die sich von allen Seiten her dem faulenden Kern anlagerten. Dabei entstanden kugelige Formen verschiedener Größe. Im Laufe der Zeit deckten feine Schwemmstoffe, die vom Land her durch Bäche und Flüsse in die stehenden Gewässer hineingetragen wurden oder die Reste abgestorbener Wasserpflanzen und winzig kleiner Wassertierchen die Knollen zu. Aus diesen Schwemmstoffen bildeten sich die grauen Schiefer, in die die Siderite heute eingebettet sind. Ursprünglich waren die Knollen kugelrund. Als im Laufe der Jahrmillionen die über ihnen liegenden Schichten immer mächtiger wurden, verformten sie sich unter dem gewaltigen Druck und nahmen diskusförmige Gestalt an.

Lebacher Ei mit Einschluss

Aufschnitt eines Lebacher Eis mit einem Kotballen eines Lurchen oder kleinen Sauriers (Sammlung Egon Groß, Lebach)

Die Lebacher Knollen sind Zeugnisse unvorstellbar weit zurückliegender Vorgänge in der Geschichte der Erde. Neben pflanzlichen Resten haben sich in ihnen auch große Mengen tierischer Reste erhalten, die einen guten Einblick in die Lebensformen des Permzeitalters erlauben. Skelettteile von Lurchen und Fischen kommen vor, auch solche von Sauriern, die damals allerdings erst armlang waren. Erst 100 Millionen Jahre später hatten sie sich zu Ungeheuern von zwanzig und mehr Metern Länge ausgewachsen.

Als sich gegen Anfang des vorigen Jahrhunderts die bis dahin bekannten Eisenerzlager an der Saar erschöpften, begann im ganzen Land ein emsiges Suchen nach neuen Vorkommen. Um diese Zeit beutete man vor allem die in der Lebacher Gegend vorhandenen Lager aus. Das Werk in St. Ingbert sowie die Hütte in Dillingen haben sich lange Zeit ganz auf diese Erzbasis gestützt.

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