Deutsches Reinheitsgebot


Seit über 800 Jahren ist das Bierbrauen in Deutschland gesetzlich geregelt. Eine lange Tradition, der alle deutschen Brauer bis heute die Treue stehen. 1165 wurde erstmals in Augsburg eine Strafe für den Ausschank von "schlechtem" Bier erlassen. 1487 erließ Herzog Albrecht IV. eine Anordnung, durch die der Bierpreis einheitlich festgesetzt wurde. "Die Maß Winterbier solle ein Pfennig, die Maß Sommerbier zwei Pfennige kosten".

Jeder Brauer hatte von nun an vor dem herzoglichen Rentmeister von Oberbayern Herzog Wilhelm IV einen PREU-AID (Brau-Eid) zu leisten, wonach er "zum dem Bier nur Gerste, Hopfen und Wasser nehmen, dieses gewissenhaft sieden und nichts anderes dareintun wolle noch durch jemanden anderen eine Beigabe gestatten solle." Diese Anordnung wurde ursprünglich nur für München erlassen. 1493 erließ Herzog Georg der Reiche von Bayers-Landshut eine Verordnung, die 1516 vom damaligen bayerischen Herzog Wilhelm IV. (siehe Bild) auf ganz Bayern ausgedehnt wurde. Durch diesen Erlass wurde erstmalig festgelegt, dass zur Herstellung von Bier nur Gerste (später Gerstenmalz), Hopfen und reines Wasser benutzt werden durfte. Die Verwendung von Hefe war zur damaligen  Zeit noch nicht bekannt und das Gelingen des Gärungsprozesses blieb dem Zufall überlassen, da man ohne es zu wissen, auf  Hefepartikel in der Luft angewiesen war. Dieses Reinheitsgebot ist bis heute die älteste, gültige lebensmittelrechtliche Verordnung der Welt.

DEUTSCHES REINHEITSGEBOT

"Wie das Pier Summer vie Winter auf dem Land sol geschenkt und prauen werden"

"Item wir ordnen, setzen und wollen mit Rathe unnser Lanndtschaft das füran allenthalben in dem Fürstenthumb Bayrn auff dem Lande auch in unsern Stettn vie Märckthen da desáhalb hieuor kain sonndere ordnung gilt von Michaelis bis auff Georij ain mass oder kopffpiers über einen pfennig müncher werung un von Sant Jorgentag biß auf Michaelis die mass über zwen pfennig derselben werung und derenden der kopff ist über drey haller bey nachgeferter Pene nicht gegeben noch außgeschenckht sol werden. Wo auch ainer nit Merrzn sonder annder pier prawen oder sonst haben würde sol erd och das kains weg häher dann die maß umb ainen pfennig schenken und verkauffen. Wir wollen auch sonderlichen dass füran allenthalben in unsern stetten märckthen un auf dem lannde zu kainem pier merer stückh dan allain gersten, hopfen un wasser genommen un gepraucht solle werdn. Welcher aber dise unsere Ordnung wissendlich überfaren unnd nie hallten wurde den sol von seiner gerichtsobrigkait dasselbig vas pier zustraff unnachläßlich so offt es geschieht genommen werden. jedoch wo ain brüwirt von ainem ainem pierprewen in unnsern stettn märckten oder aufm lande jezuzeitn ainen Emer piers zwen oder drey kauffen und wider unnter den gemaynen pawrfuolck ausschenken würde dem selben allain aber sonstnyemandes soldyemaßs oder der kopfpiers umb ainen haller häher dann oben gesetzt ist zugeben un ausschencken erlaube unnd unuerpotn."

Die deutschen Biertrinker bestehen auf Einhaltung des Reinheitsgebotes. Auch das Urteil des Europäischen Gerichtshofes vom 12.März 1987 hat daran nichts geändert. Wegen des freien Warenverkehrs innerhalb der Europäischen Union dürfen seitdem in Deutschland auch solche Biere verkauft werden, die nicht nach dem Reinheitsgebot hergestellt sind. Sie können andere Rohstoffe - wie etwa unvermälzte Gerste, Mais, Reis oder Hirse - oder Zusatzstoffe enthalten, müssen aber eindeutig gekennzeichnet werden. Allerdings gibt es solche Biere bisher nicht in nennenswertem Umfang auf dem deutschen Markt, weil sie kaum vom Verbraucher angenommen werden. Im Gegenteil, große ausländische Brauereien orientieren sich am Willen deutscher Verbraucher, die Reinheitsgebotsbiere wünschen.

"Man könnte froh sein, wenn die Luft so rein wäre wie das Bier"
Richard von Weizsäcker

Das Reinheitsgebot ist auch heute noch die zeitgemäße Antwort auf die Furcht des Verbrauchers vor Zusatzstoffen in der Nahrung. Viele Ernährungsphysiologen sind sich darüber einig, dass der Verbraucher vor unbekannten oder in der Wirkungsweise noch nicht hinreichend bekannten Zusatzstoffen in Lebensmitteln geschützt werden sollte.
Das gilt um so mehr für Produkte wie das Bier, welches auch ohne die Verwendung solcher Stoffe in bester Qualität hergestellt werden kann.

Das Reinheitsgebot von 1516 ist und bleibt das wichtigste Qualitätsmerkmal für deutsches Bier. Die deutschen Brauer können dabei auf eine fast 500jährige Erfahrung mit dem Reinheitsgebot zurückgreifen, einen Vorsprung, den kein anderes Land hat.

Quelle: Gesellschaft für Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Brauwirtschaft e.V., BONN

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